Ausbau – Teil 7

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16.11.2020

Nachdem ich lange gehadert habe, wie ich die Elektrik verteile, habe ich nun einen guten Kompromiss gefunden.

Mein Wunsch war es eigentlich, alle elektrischen Komponenten zusammen auf der Beifahrerseite unter der hintern Sitzbank unterzubekommen. Doch meine Gewichtsprognose sagt „nein“. Batterie 54kg, Victron Wechselrichter 18kg, 2. Wechselrichter, 2 Solarregler, Booster, Kabel … das sind weit über 100kg. Das ist leider zu viel für einen Platz direkt über der Hinterachse. Also muß das Geraffel so weit wie möglich nach vorne. Nun wäre die Ecke am Bad direkt hinter dem Beifahrersitz ideal, da bekomme ich aber platzmäßig nicht alles unter und zudem ist das ein wertvoller, weil gut erreichbarer Stauraum! Schwierig, das abzuwägen, aber letztlich „wiegt das Gewicht mehr“.
Nur – Platz für alles ist dort nicht, da ja noch Kühlschrank und Ofen rein müssen. Der Ofen wiegt 36kg und der Kühlschrank 30kg – leer. Also auch beides Geräte, die so weit wie möglich vorne montiert werden sollten. Und mal ehrlich, der Kühlschrank muß von außen gut erreichbar sein, also in Türnähe!

Meine Lösung: die Elektrik wird dezentralisiert. Batterie und 12V Hauptverteilung sowie der große Victron Wechselrichter kommen ins untere Fach, der zweite Wechselrichter, Ladebooster, beide Solarregler und die 230V Verteilung ins Fahrerhaus hinter die Sitze. Da ist genug Platz und der Kabelweg bleibt kurz.

Es gibt lediglich einen Haken: die Temperaturen im Fahrerhaus können von der Batterietemperatur erheblich abweichen. Sowohl im Sommer wie auch im Winter.
Da die Victron Solarregler standardmäßg ihre Temperatur intern messen, muß man entweder eine Temperaturkompensation ausschalten oder einen Bluetooth Temperatursensor verwenden (Smart Battery Sense). Das geht.
Ich werde wohl ohne Temperaturkompensation arbeiten. Es sollte nicht vorkommen, daß die Kabine intern soweit abkühlt. Den Pössl habe ich auch den Winter durch bei +5°C gehalten. Plan B wäre der Bluetooth-Sensor.

Beim Votronic Booster ist ein Kabel-Temperaturfühler dabei, das gibt kein Problem.

Doch erstmal muß der noch leere Bereich eingeteilt werden. Von oben nach unten wäre da der Kühlschrankkompressor, Backofen, Kühlschrank, Batterie. Na dann mal ran an die Säge!

Auch wenns sonst kein Ausbauer macht, ich versiegel die Schnittkanten gerne mal noch. Die Seitenwände werden nun an die Wand geklebt und mit Schrauben fixiert, da reicht wenig Sika aus.

Das Anleimen der ABS-Kanten klappt mittlerweile gut, ich habe auch einie Meter Kante zur Übung verbraucht. Ich fräse die Kante dann nicht komplett bündig, sondern nehme den Rest mit einer Ziehklinge ab.

Die Batterie steht auf einem Brett mit eingeklebten Aluwinkeln und Ringösen. Die Ringösen sind rückseitig mit Einschlagmuttern befestigt, und das komplette Brett wird am Boden festgeklebt. Unter die Batterie habe ich noch Sika dünn verschmiert, als Rutschhemmung quasi.

Gar nicht so einfach, die Batterie in das Fach zu bekommen. Ich mußte mir zwei Gurte zu Hilfe nehmen. 54kg in ungünstiger Position …

Verzurrt wird sie wie auch der Wassertank und die Einzelzellen mit dem Umreifungband. Zur Festigung der Lage nach links und rechts wurden noch Aluwinkel verschraubt.

Sitzt!

Der schwere Victron Multiplus kommt nun direkt an die Außenwand. Die Befestigunsplatte habe ich mit Rampa Einschraubmuttern angeschraubt. Die Muffen wurden noch mit PU-Kleber eingebracht und die Schrauben mit Loctite hochfest gesichert.

So habe ich extrem kurze Kabelwege für 12V.

22.11.2020 – weiter mit der Elektrik

Heute Nacht waren -1°C. Bisher hatte ich die Klimaanlage auf 16°C heizen laufen, das hat problemlos funktioniert und bei nächtlichen Außentemperaturen im niedrigen einstelligen Bereich zwischen 3,5 und 6,5 kWh / 24 Stunden verbraucht. Am Freitag aber wurde es kälter, und die Dometic war morgens auf Störung. Im Handbuch fand ich dann den Hinweis, daß die Heizfunktion unter +2°C Außentemperatur nicht zur Verfügung steht.

OK, kein Problem, habe ja noch die Truma. Um diese aber dauerhaft zu betreiben, würde ich gerne auch Landstrom und Ladefunktion einsatzbereit haben wollen.

Das Konzept stand grob schon, im Pössl habe ich die Stromverteilung der großen Verbraucher über Kupferschienen realisiert. So auch hier.

Je eine Kupferschiene 20x10mm, also 200mm², da bleibt auch mit den M8 Gewindelöchern noch genug leitfähiges Material übrig.

Für beste Leitfähigkeit muß das Oxid abgeschliffen und die Oberfläche gleich versiegelt werden. Ich nutze dazu Noalox, ein Antioxidationsmittel für Aluminium-Aluminium, Aluminium-Kupfer und Kupfer-Kupfer Verbindungen.

Für geringe Übergangswiderstände verwende ich Sinuslive ANL-Sicherungen und kurze Kupferstreifen unter und über dem vergoldeten Streifen der Sicherung auf der Abgangsseite.

Hier mal die Anordnung: links das 500A Hauptrelais von der Batterie, das wird später von meiner BMS-Lösung zur Trennung angesteuert. Rechts daneben das 260A Philippi-Relais für den Wechselrichter 2, dann die Plusverteilung.

Für die Anbindung der Verteilerschienen und des Wechselrichters 1 verwende ich 70mm² Leitung. In diesen Bereichen Faber Sondergummiaderleitung NSGAFÖU. Diese ist sehr flexibel und hat beste Isolationswerte. Für diese Leitung (Klasse 5) sollte man die passenden Kabelschuhe und Pressung verwenden. Ich nehme Klauke Rohrkabelschuhe F-Reihe und verwende die Dornpressung.

Kurze Leitungen werden zusätzlich noch komplett eingeschrumpft in extradicken Schrumpfschlauch mit Innenkleber. So kann man sie in heißem Zustand schön in die passende Form biegen.

Der Wechselrichter sollte eigentlich mit 2x 50mm² pro Pol angeschlossen werden, da ich allerdings extrem kurze Kabelwege habe, begnüge ich mich mit 1x 70mm².

Die Plus-Verteilung kommt also auf den Boden, die Anschlüsse des Hauptrelais sind mit Liquid Tape isoliert, das ist eine flüssig aufzutragende Gummipaste speziell zu Zwecken der elektrischen Isolation. Für die Pole vom Philippi-Relais sind Gummiabdeckungen im Lieferumfang. Für die Plus- Verteilerschiene mit Sicherungen werde ich später eine transparente Abdeckung anfertigen.

Hier hängt dann lins an der Wand auch schon der Minus-Verteiler, die Kupferschiene ist direkt am Shunt befestigt, um auch hier wieder unnötige Übergangswiderstände zu vermeiden.

Dahinter befindet sich der Verteiler für Geräte mit geringem Strombedarf, dieser nimmt Standard Flachsicherungen bis 40A auf. Auf die Kupferschienen kommen nur die „großen“ Verbraucher bzw. Stromlieferanten wie Booster, Solarregler, Wechselrichter …

Noch weiter hinten ist eine Hutschiene montiert für diverse Schalter wie z.B. Heizung und Licht, alles im 12V-Bereich. Die Verkabelung der dünneren Leitungen auf dem Foto ist nur zum Test provisorisch.

24.11.2020

Damit mir von oben nichtmal versehentlich ein unisoliertes Kabelstück, Schraubendreher oder sonstwas auf die Batteriepole fallen kann, habe ich noch eine Acrylglasabdeckung gebastelt.

Und es geht wieder zum Möbelbau. Ich habe mal mit dem hinteren Hochschrank angefangen.

Vorab hatte ich mir schon viele Projekte in Foren angesehen und auch geschaut, wie andere Ausbauer das machen. Die stabilste Möglichkeit ist sicher, den Schrank komplett zu bauen und dann an Wand und Decke zu befestigen. Das ist aber auch gewichtstechnisch die ungünstigste Variante. Man braucht ja eigentlich gar keine Rückwand, das darf die Kabinenwand sein.

Doch wie befestigt man dann die Teile an der Wand? Man könnte alles kleben. Bezüglich Stabilität habe ich bei Sikaflex 252i keinerlei Bedenken.

Da ich aber ein Freund von demontierbaren Möbeln bin, verzichte ich auf den letzten Rest Gewichtseinsparung und verwende Aluwinkel, um daran die Möbelbauplatten zu verschrauben. Die Aluwinkel werden mittels selbstgebauter Schablone angekörnt und dann auf der Ständerbohrmaschine gebohrt.

Dann das übliche Prozedere. Aluwinkel und GFK anschleifen, reinigen, primern und kleben. Die Schrauben an der Wand dienen nur der Fixierung der Winkel zum Kleben.

Für den gleichemäßigen Abstand zur Decke habe ich zwei Kanthölzer verwendet.

Die Bodenplatte wurde dann mit Spax-Schrauben befestigt. Hier habe ich extra geeignete Schrauben bestellt, T-Star plus 4,5 x 15mm Senkkopf. Die haben ein sehr breites Gewinde, in meinen Tests hielten sie in den Möbelbauplatten hervorragend. Eigentlich hatte ich vor, Rampa Einschraubmuttern zu verwenden, doch die hebe ich mir für stärker beanspruchte Teile auf.

An der Bodenplatte hat das Kantenanleimen auch schon ganz gut gelappt, lediglich wenn man mit dem Finger drüberfährt, kann man noch ein paar Unregelmäßigkeiten erfühlen.

Als Ablage für den Stand schonmal zu gebrauchen, die Wandlung zum Schrank erfolgt demnächst.

29.11.2020

Viel sieht man nicht nach diesem Wochenende, Kabel ziehen, Anschlüsse Crimpen, Stromverteilung nochmal durchplanen … das alles kostet Zeit.

Der Victron Multiplus ist jetzt angeschlossen und programmiert. Dazu braucht man das Victron USB-Kabel (was vermutlich nur ein seriell auf USB-Kabel ist) und die Victron VE Configure Software.

Wahnsinn, was man da alles einstellen kann. Neben ganz individuellen Ladeprogrammen auch den Ladestrom bis 120A in 1A-Schritten.

Der MultiPlus ist ein Kombigerät aus Landstromlader, Wechselrichter und Netzvorrangschaltung. Was ich an Victron sehr schätze, sind eben diese vielfältigen Einstellmöglichkeiten und die gute Dokumentation. Auch toll: PowerAssist. Angenommen, ich stehe im heißen Süden an einem niedrig abgesicherten Landstromanschluss, brauche aber die Klimaanlage. Kein Problem, über das Bedienpanel wird einfach die Eingangsabsicherung eingestellt, z.B. 4A, und den Rest steuert der Wechselrichter bei.

Als sichtbares Ergebnis habe ich ein provisorisches Bedienpanel gemacht. Später mal, wenn alles fertig ist, wird das natürlich nochmal neu und schön gemacht. Ich weiß jetzt ja noch gar nicht, was ich da alles für Schalter brauche.

Auf jeden Fall mal die Anzeigen für Frischwasser- und Abwasserstand, das Bedienteil von Truma und Victron. Und einige Taster und Schalter, die erstmal in LowCost verbaut werden. Die sollen dann später als edle Metallversionen zum Einsatz kommen.

Das wars dann auch schon wieder.

30.11.2020

Es war eine kalte Nacht, aber hier ist mir nun deutlich der höhere Stromverbrauch der Dieselheizung aufgefallen. Sonntag 18 Uhr bis Montag 9 Uhr 17,1 Ah nur für Heizung (kein Licht, keine sonstigen Verbraucher). Heizung auf 10°C und Temperaturen von gestern abend +1° auf heute morgen -4°C.

Aufgefallen ist auch der hohe Strom beim Anlauf für die Glühkerzen von bis zu 17 Ampère. Kein Wunder machen hier manche mit geringem Querschnitt angebundene Heizungen in den ausgebauten Wohnmobilen Probleme. Ich habe mal testweise den Strom über den Sicherungsverteiler laufen lassen, da hat das Licht deutlich sichtbar geflackert beim Start.

Daher habe ich für die Anbindung der Heizung und des Luft-Kompressors die Wago 2006-1681 Sicherungsklemmen verwendet. Diese können mit Flachsicherungen bis 30A bestückt werden (ich hab jetzt hier noch eine 40er drin) und bieten feindrähtigen Leitern bis 10mm² eine sehr gute Kontaktierung ohne Adernendhülsen! Und ohne Schrauben, alles wird sicher und fest geklemmt.